Belichtungssteuerung und Motivprogramm

Wenn die Belichtung durch die Kamera gemessen ist, wird die Belichtungszeit und die Blende nach verschiedenen Methoden gesteuert. Die Wahl der richtigen Methode erleichtert einem die Arbeit, um eine gezielte Bildwirkung zu erreichen.
Bei einigen Kompakt-, Bridge-, System- und Spiegelreflexkameras hat man verschiedene Programme zur Belichtungssteuerung, die folgend im Einzelnen beschrieben werden.

1. Die Programmautomatik „P“
Der Modus der Programmautomatik wird an der Kamera mit dem Buchstaben „P“ gekennzeichnet. Einige Kameras haben eine Vollautomatik – meistens ein grünes Symbol am Einstellrad – ohne weitere Einstellmöglichkeiten und eine Normalautomatik, bei der die Möglichkeit einiger Einstellungen zur Verfügung stehen.
Bei den meisten Motiven kann man sich voll und ganz auf die Programmautomatik verlassen, da sie unter Berücksichtigung des Objektives, der eingestellten Brennweite und dem vorhandenen Licht eine optimale Kombination aus Belichtungszeit und Blende wählt. Bei der automatischen Wahl der Kombination versucht die Kamera immer eine kurze Belichtungszeit zu erreichen, so dass man die Bilder nicht verwackeln kann, die Blende wird dementsprechend angepasst. Erst wenn die Blende nicht weiter geöffnet werden kann, verlängert die Automatik die Belichtungszeit. Bei einigen Kameras wird bei kurzen Belichtungszeiten automatisch der eingebaute Blitz zugeschaltet.

2. Die Blendenautomatik „S“
Der Modus der Blendenautomatik wird an den meisten Kameras mit dem Buchstaben „S“ gekennzeichnet (Shutter Speed Priority). Bei der Blendenautomatik liegt die Priorität auf der Belichtungszeit.
Der Modus der Blendenautomatik ist der Richtige, wenn man eine bestimmte Belichtungszeit für ein Motiv benötigt. Motive, für die die Blendenautomatik optimal ist, sind bewegte Motive, wie Autos, Radfahrer, Sportler, spielende Kinder etc. Bei der Vorwahl der richtigen Belichtungszeit durch den Fotografen kümmert sich die Kamera um die Blende.
Wenn man mit der Blendenautomatik arbeitet, empfiehlt es sich immer mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Zeiten zu machen, da sich durch die automatische Anpassung der Kamera an die Belichtungszeit die Blende ändert und dadurch auch die Schärfentiefen. Am PC kann man dann die für das Motiv optimalste Aufnahme aussuchen, da schon der kleinste Unterschied eine ganz andere Motivwirkung hervorruft.

3. Die Zeitautomatik „A“
Der Modus der Zeitautomatik wird an den meisten Kameras mit dem Buchstaben „A“ gekennzeichnet (Aperture Priority). Bei den Spiegelreflexkameras war die Zeitautomatik die erste Automatikfunktion, hierbei wählte man die Blende am Objektiv und die Kamera berechnet die benötigte Belichtungszeit. Heutzutage wählt man die Blende für das Objektiv meist direkt an der Kamera. Die Zeitautomatik ist eine der wichtigsten Automatiken beim Fotografieren, da man durch die Wahl der Blende die Schärfentiefe im Bild festlegt. So fotografiert man z. B. ein Portrait mit einer großen Blende, um das Motiv vom Hintergrund freizustellen. Bei Landschaftsaufnahmen ist es genau umgekehrt. Da man eine durchgängige Schärfe im Bild erreichen möchte, stellt man eine kleine Blende ein. In beiden Fällen wählt die Kamera die entsprechende Belichtungszeit.

Ein ganz wichtiger Faktor für ein ästhetisches Aussehen von Bildern mit einer großen Blendenöffung ist die Darstellung des unscharfen Bereiches im Bild, dem so genannten Bokeh. Dabei handelt es sich nicht um die Größe des Unschärfebereichs, sondern darum, wie der Bereich aussieht.

Je nachdem, mit welchem Objektiv und mit welcher Blende man fotografiert, stellt sich der Unschärfebereich unterschiedlich dar. Es gibt Objektive, die im vorderen Bereich helle Kreise zeigen, andere Objektve stellen die Kreise in einer anderen Form, und in einer anderen Farbe oder einen anderen Kontrast dar.

Die Gestaltung des Unschärfebereichs ist schwierig zu messen, da die Qualität des Bereiches eine rein subjektive Sache ist, die aber einen sehr großen Einfluss auf die Bildwirkung ausübt.

Bei der Einstellung einer großen Blende muss man die Belichtungszeit nicht weiter beachten, aber bei kleinen Blenden ist es schon ratsam, diese im Auge zu behalten, um Verwacklungen vorzubeugen.

Der Einsatz eines Stativs ist in jedem Fall lohnenswert.

4. Der Manuelle Modus „M“
Im Modus Manuell fotografiert man ohne automatische Unterstützung der Kamera, dieser wird bei den meisten Kameras mit dem Buchstaben „M“ gekennzeichnet. Bei der manuellen Steuerung stellt man die Blende und die Belichtungszeit an der Kamera ein, eine Skala im Sucher oder am Display zeigt dem Fotografen, ob man das Motiv korrekt belichtet oder ob eine Unter- oder Überbelichtet vorliegt.
Dieser Modus ist optimal bei der Studiofotografie mit externen Blitzköpfen, da der externe Blitz von der Kamera nicht automatisch gesteuert werden kann. Man ermittelt hier die Blende, in dem man eine von der Kamera mit dem Blitz zu synchronisierende Zeit (z. B. 1/125) wählt und misst mit einem Belichtungsmesser die dafür passende Blende.
Ein weiteres Einsatzgebiet der manuellen Steuerung ist das Fotografieren eines Panoramas mit mehreren Aufnahmen und genau den gleichen Belichtungswerten. Hierbei ist es wichtig, auch den automatischen Weißabgleich und die ISO-Automatik abzustellen, damit man später am Computer die Bilder optimal zu einem Panorama zusammenführen kann.

5. Die Belichtungskorrektur und die Belichtungsreihe
Bei den Digitalen Spiegelreflexkameras kann man zusätzlich zu allen Belichtungsprogrammen eine Belichtungskorrektur vornehmen. Bei jeder Aufnahme wird die Belichtung um diesen Wert angepasst. Wenn man z. B. die Korrektur auf -2 LW einstellt, verkleinert die Kamera bei der Blendenautomatik die Blende um 2 Blendenstufen. Diese Korrekturen machen besonders Sinn, wenn man möchte, dass in einem Bild auch die hellen Bereiche noch eine Zeichnung behalten sollen.
Auch ist es später bei der Bildbearbeitung einfacher dunkle Bereiche aufzuhellen als helle Bereiche abzudunkeln. Bei JPEG-Bildern kann man z. B. reinweiße Bereiche nicht mehr korrigieren oder verbessern.
Einige DSLR’s bieten auch die Möglickeit eine Belichtungsreihe zu erstellen, dabei macht man mehrere Aufnahmen (mindestens 3) in Folge mit unterschiedlichen Belichtungskorrekturwerten. Diese Werte legt man vorher fest, meistens aber liegt der Wert bei 1 LW.

Durch das Arbeiten mit Belichtungsreihen erhöht man die Chance auf gute Bilder in schwierigen Lichtsituationen.

6. Die Motivprogramme
Der Zusammenhang von Belichtungszeit und Blende ist nicht immer einfach zu verstehen. Wenn man sich mit der Gestaltung des Motives nicht auseinandersetzen möchte, bieten Kompakt- und Bridgekameras sowie günstige Spiegelreflexkameras sogenannte Motivprogramme. Diese Motivprogramme stellen die Kamera für die ausgewählten Motive optimal ein. Bei teuren DSLR’s findet man keine Motivprogramme mehr, da die Hersteller davon ausgehen, dass der Fotograf fachkundig ist und die Zusammenhänge von Belichtungszeit und Blende kennt.

Motivprogramme sind bequem, doch man muss darauf achten, dass für das entsprechende Motiv das richtige Programm gewählt ist, sonst bekommt man nicht das gewünschte Ergebnis. Welches Motivprogramm welche Wirkung erzielt, wird im Folgenden erklärt.

– Portrait:
Die Kamera wählt eine große Blendenöffnung, um den Hintergrund unscharf darzustellen. Dieser Modus ist optimal für lichtstarke Objektive mit einer Brennweite zwischen 85-105 mm. Die Farbe der Hauttöne wird natürlich wiedergegeben.

– Landschaft:
Bei Landschaftsaufnahmen ist die Schärfentiefe wichtig. Die Kamera wählt hiebei eine kleine Blendenöffnung, um eine große Schärfentiefe zu erreichen. Die Farben und Kontraste werden leuchtend verstärkt.

– Nahaufnahme:
Bei Makro bzw. Nahaufnahmen ist eine genügende Schärfentiefe aufgrund es kleinen Abstandes zum Motiv nötig. In dem Modus werden Insekten, Pflanzen oder andere kleine Gegenstände deutlich vom Hintergrund freigestellt. Die Fokussierung wird auf das mittlere Messfeld gelegt.

– Sport:
Hierbei wird eine kurze Belichtungszeit eingestellt, damit schnelle Objekte noch scharf abgebildet werden können. Je nach Licht ist die Schärfentiefe unterschiedlich kurz. Der Autofokus ist kontinuierlich aktiv.

– Nachtaufnahmen:
Nachtaufnahmen werden grundsätzlich mit einem Stativ und langen Belichtungszeiten gemacht. Die Rauschunterdrückung wird ab einer Belichtungszeit von 1 Sekunde und länger aktiviert und der eingebaute Blitz ist deaktiviert.

– Nachtportrait:
Auch bei einem Nachtportrait arbeitet man mit einem Stativ. Hierbei wird der Blitz so gesteuert, dass der Vordergrund und der Hintergrund ausgewogen belichtet sind. Hierfür stellt die Kamera den Blitz auf Langzeitsynchronisation ein und die Rauschunterdrückung ist ab einer Belichtungszeit von 1 Sekunde und länger aktiviert.

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